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Herzschlagviolett

Flug Berlin nach Graz.

Unter uns ein Berg, der unser Flugzeug einatmen wollte.

Schon öfter war ich auf Flügen mit Luftlöchern, die alles durchschüttelten.

Diesmal schien es die komplette Sitzreihe zu merken, nicht nur ich.

Ich schaltete mein Hörbuch aus und wechselte auf John Lennons „Watching the Wheels“.

Hör auf die Lyrics, dann stirbst du nicht.

Ich versuchte, niemandem in die wackligen Augen zu schauen.

Nur ein tätowierter Motherfucker neben mir tat so, als ob das normal wäre, und zockte sein Solitär.

Du blödes Arsch-Luftloch. Welche Sau reißt ein Loch aus der Luft? Wie gierig kann man sein?

Und wie ich diesmal den Scheißjob kündigen werde, wenn ich diese Scheiße überlebe, schwor ich mir. Und all die Sorgen, die gar keine sind, spüle ich ins Klo. Und ich lasse mich endlich tätowieren.

Sobald der Lennon-Song zu Ende war, war es wieder ruhig am Himmel.

Von wegen Zeichen von oben, lachte ich über meinen peinlichen Angstanfall. Ich schulde doch so einem Luftloch keine Vertragsunterzeichnung, schmunzelte ich.

Zwanzig Minuten später setzten wir zur Landung an. Fast schon unten riss der Pilot nach oben. Musste fast mein explodierendes Herz auskotzen.

„Aufgrund einer starken Windböe mussten wir den ersten Landeanflug abbrechen. Wir werden einen weiteren Anflug durchführen“, kam es aus dem Lautsprecher.

Wir drehten noch eine Extrarunde, die ewig dauerte. Nach einer Überdosis Lennon setzte der Pilot noch mal zur Landung an.

Es wackelte, aber wir überlebten.

Das erste Mal, seit ich fliege, beklatschten ein paar Leute die Leistung des Piloten.

Fester Boden. Als ich schnellen Schrittes Richtung Bahnhof spazierte, fiel mir ein Regenbogen am Horizont auf, der wohl schon immer dort stand.

Dann bleibe ich halt kurz stehen und versäume den nächsten Zug …

Okay. Jetzt merk dir endlich die Reihenfolge. Ich weiß, es ist nicht wichtig. Aber trotzdem.

Meine Augen versanken in den Reihen.

Rot – gelb – grün – blau – violett.

Ich dachte, das hat einen Applaus verdient.